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ist eine Gruppe von Theaterleuten um den Regisseur und Autor Peter Staatsmann. Im Mittelpunkt steht der Probenprozess mit seinen Findungen und jeweils neuen Entdeckungen. Theaterarbeit bedeutet hier nicht Umsetzung geplanter Konzepte, Bilder oder Abläufe, sondern das tiefe Ausloten vielschichtiger Zusammenhänge gesellschaftlicher und individueller Gegebenheiten. Seine Arbeitsweise zeichnet sich durch eine radikale Offenheit und Durchlässigkeit aller an den Proben Beteiligten aus und entwickelt die momenthaften Impulse auf der Probe weiter, auch wenn dadurch Sicherheiten immer wieder in Frage gestellt und oft neu angesetzt werden muss. Im Prozess zu sein und zu bleiben ist das oberste Gebot, denn erst auf diese Weise können wir zu den konventionell nicht sichtbaren und nicht darstellbaren Realitäten des Unbewussten vorstoßen, von denen wir oft abhängen und mit denen wir uns stetig arrangieren müssen. Die Psychoanalyse mit ihren Prinzipien der freien Assoziation ist ein Fundus für unser Theaterdenken. Der Körper weiß oft mehr, als unser rationales Denken und da die Wahrheit sich oft hinter uns befindet, bewegen wir uns manchmal solange, bis wir das sehen, was im Rücken oder im Windschatten liegt. Es entstehen genreübergreifende Cross-Over-Produktionen (Schauspiel und Musiktheater), oft Uraufführungen und Stückentwicklungen, die gesellschaftspolitisch brennende Themen aufgreifen und die sinnliche Präsenz der Spieler:innen ins Zentrum stellen.

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„Und weiter, Eveline Clausen? Die Vorstellung, die Sie sich von einer Mann-Frau-Beziehung machen, scheint äußerst begrenzt zu sein. Vielleicht liegt das weniger an Ihnen, als an den Männern, aber zum Spielen gehören bekanntlich zwei, und Sie spielen mit: Es beginnt mit einem Flirt und endet mit einer kurzen oder längeren Affäre. Immer dasselbe Spiel, das Sie offenbar im Schlaf beherrschen. … wenn das mein Ziel gewesen wäre, säßen wir jetzt nicht in der „Nachteule“, sondern lägen im Bett.“

„Oh Gott“, sagte ich, „wenn es doch Nacht bliebe!“ Ich hob den Kopf in der absurden Hoffnung, dass es anstatt heller wieder dunkler geworden wäre. Und da sah ich, dass der Himmel im Osten aufgebrochen war und Licht und Farben in das Dunkel schüttete: leuchtendes Türkisgrün und samtenes Violett, Korallenrot und Pfauenblau. „Merkwürdig“, flüsterte ich, „wo kommt den plötzlich dieser Himmel her? Über diesem trostlosen Stück Stadt ein so wunderschöner Himmel!“ Ein Funken fiel in die schwarze Leere, und meine Augen füllten sich mit Farben und mit Tränen.

Aus der Inszenierung „Die Frau, die liebte“ nach dem Roman „Die Herren“ von Angelika Schrobsdorff

Peter Staatsmann: Theater des Unbewussten. Der selbstanalytische Prozess im Schreiben Heiner Müllers

„Psychoanalyse ist die Zeitlupe, mit der man die Explosionskatastrophen der Seele auflöst.“ Heiner Müller

Heiner Müller ging es um die Partizipation des Zuschauers bei kreativen Prozessen. Das bedeutet jedoch nicht nur eine rationale Entschlüsselung von Thesen und Themen, sondern eine tiefergehende Auseinandersetzung mit dem eigenen psychischen Leben, den Verdrängungen und Traumata. Bisher hat die Forschung sich zu einseitig auf Heiner Müller als „politischen“ Dramatiker fokussiert und vernachlässigte, dass Müller den Traum, das individuelle wie gesellschaftliche Unbewusste und die eigene psychische Welt und Triebökonomie zur Grundlage des eigenen Schreibens gemacht hatte. Erst die dezidierte Wahrnehmung und Würdigung einer spezifischen Ästhetik des Unbewussten bei Müller, wie Peter Staatsmann sie hier anhand seiner Texte und bislang unveröffentlichten Archivmaterials durchführt, erweist Müllers Theatertexte bedeutsam im Sinne einer universalen und gattungsgeschichtlich reflektierenden Literatur.

„Die Stücke Heiner Müllers faszinieren, weil sie den selbstanalytischen Prozess der Gattung Mensch in einem aktuellen katastrophischen Szenario auf die Bühne bringen. Selbstzerstörung – das haben wir von Freud gelernt – war die archaische und ist die akute Bedrohung unserer Gattungsexistenz. Sie steht im Zentrum auch des Müllerschen Werkes. Wir dürfen konstatieren: so wie das Schreckensszenario Melanie Kleins und ihrer Schule die dramatische Fortsetzung der Schule Sigmunds Freuds, ist das Schreckensszenario Heiner Müllers die analytische Tiefensonde des zeitgenössischen Theaters. Diese spiegelbildliche Entsprechung, kraft derer die psychotischen Blöcke der Müllerschen Texte und die uns wohlbekannten untoten Widergänger, die seine Bühne bevölkern, in schmerzhafter Schärfe sichtbar und damit darstellbar werden, macht Peter Staatsmanns Buch zu einem Schlüsselwerk des modernen Theaters.“ Klaus Heinrich

 

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