Cyrano de Bergerac

Nach Edmond de Rostand

Premiere 15.07.2021, Sommertheater 2021

Cyrano de Bergerac leidet, weil die Natur ihn mit einer monströsen Nase versehen hat. Aber er hat auch etwas zu bieten: Wird er beleidigt, setzt er treffsicher einen Stich mit dem Degen und schießt vermeintlichen Spöttern rauschhaft Verse um die Ohren. Verborgen ist seine Liebe für seine schöne und kluge Cousine Roxane. Sie verliebt sich jedoch in Christian de Neuvillette. Um sie zu beeindrucken, muss der wenig eloquente Schönling die gewünschten sprachlichen Vorzüge „outsourcen“. Cyrano scheint hierfür der optimale Ghostwriter zu sein. Im Glauben, nur mit der Hilfe des anderen der eigenen Liebe nahezukommen, gehen die beiden einen verhängnisvollen Pakt ein: Cyrano ist der Geist und Christian der Körper. Doch sie haben die Rechnung ohne einen dritten Nebenbuhler gemacht. Edmond de Rostand hat 1897 eine der größten Liebesgeschichten der europäischen Dramatik geschrieben, mit Szenen zwischen Balkongeflüster, Kriegswirren, Verrat, schnellen Degen und spitzen Versen. Was ist wichtiger in der Liebe,  die „äußere Hülle“ oder die schöne  Seele? Ein Theaterstück mit Musik wie gemacht für den romantischen Bockshof!

 

Regie: Peter Staatsmann

Musik: Dorin Grama, Nicholas Charkviani

Es spielen: Frank Deesz, Luise Harder, Philipp Kessel, Mathias Kopetzki, Nora Kühnlein, Stephan Müller, Luc Schneider

Dramaturgie & Kostüme: Bettina Schültke

Der Menschenfeind

Von Jean-Baptiste Molière

Premiere am 16.04.2021

 

In Molières berühmter Komödie von 1666, die ebenso auch eine Tragödie ist, begegnen wir einer Gesellschaft der grenzenlosen Anpassungsbereitschaft – und einer ebenso grenzenlosen Egomanie. Molière wirft einen schonungslosen Blick auf eine frühbürgerliche Gesellschaft, die verzweifelt um ihre eigene Identität kämpft, sich dabei aber nur um sich selbst dreht. Es ist ein Kampf, in den wir bis heute verstrickt sind, denn, wenn wir uns heute als Einzelne nur noch behaupten können, indem wir entweder selbst zur Ware werden oder uns vorgaukeln, über eine glänzende Fülle von Waren zu herrschen, dann sind wir nach wie vor Insassen und Komiker des Molièreschen Universums.

Durch die Jahrhunderte haben wir kuriose aber auch katastrophale Variationen dieser Identitätssuche erlebt. Heute indes widerfährt uns die vielleicht unheimlichste Variante der Konstruktion einer illusionären Identität: der Mensch als Konsument. Hinter dieser Identität ohne Kern droht jedoch die Rückkehr des Verdrängten und so schließt sich auch bei Alceste die Gemeinschaft zur rituellen Kultgemeinschaft zusammen, die bereit ist zum Opfer. Wird der Außenseiter dieser Dynamik etwas entgegensetzen können oder bleibt er nur ein Rädchen im Getriebe einer Gesellschaft, die niemals zu sich selbst finden kann?

 

Es spielen: Frank Deesz, Lukas Kientzler, Nora Kühnlein, Stephan Müller, Valentina Sadiku, Boris Ben Siegel, Meinolf Steiner, Petra Weimer

Regie: Peter Staatsmann

Livemusik: Dorin Grama

Kostüme: Bettina Schültke

 

Foto: R. Zimmerer

Friedrich Prinz von Homburg

Alte Stallhalle Rottweil

Von Heinrich von Kleist

Premiere am 30.04.2021

 

Prinz Friedrich von Homburg gilt als Kämpfer, doch er ist auch ein Träumer, ein Schlafwandler, ein Verliebter – und so verpasst er vor der Schlacht zu Fehrbellin die entscheidende Ordre des Kurfürsten: erst auf aus­drücklichen Befehl anzugreifen. Er gewinnt, wird dafür gefeiert – und zum Tode verurteilt, schließlich aber doch begnadigt. Ein Gnadenakt, den er nun nicht mehr annehmen will. Er ist Held und Antiheld zugleich, ein Zerrissener, der seine inneren Wunschbilder nicht mit der äußeren Wirklichkeit zu vereinen vermag und daran zerbricht. Fünf Monate vor seinem Freitod macht Kleist einen preußischen Prinzen zum Helden eines Traumspiels zwischen Pflicht, Ehre, Staatsräson, Gehorsam, Eigensinn und Courage und lotet das Prinzip von Disziplin und Ordnung aus.

Regie: Peter Staatsmann

Mit: Lukas Kientzler, Elisabeth Kreuzer, Nora Kühnlein, Stephan Müller, Meinolf Steiner

Musik: Dorin Grama

Kostüme: Bettina Schültke

 

Foto: R. Zimmerer

Ronja Räubertochter

von Astrid Lindgren – ab 4 Jahren – für die ganze Familie! Alte Stallhalle Rottweil

Premiere am 18.04.2021

 

Als einziges Kind wächst Ronja zwischen Räubern im Mattiswald auf. Eines Tages entdeckt sie, dass es auf der anderen Seite der Burg noch ein zweites Kind gibt: den gleichaltrigen Jungen Birk, Kind der gegnerischen Borka-Bande. Unbemerkt von den Erwachsenen freunden sie sich an und kämpfen gemeinsam gegen Wilddruden, Graugnomen und ihre eigenen Vorurteile. Obwohl ihre Eltern ihre Verbindung rigoros verbieten, schaffen beide, was niemand für möglich gehalten hätte: die rivalisierenden Räuberbanden miteinander zu versöhnen. In Astrid Lindgrens Kinderbuch-Klassiker geht es um die Liebe zwischen Eltern und Kindern, um Loyalität, Freundschaft, um Großwerden, Abnabeln, Loslassen, Weggehen und Wiederkommen.

Regie: Peter Staatsmann

Mit: Nora Kühnlein und Stephan Müller

Kostüme: Bettina Schültke  

Musikalische Einrichtung: Dorin Grama

Foto: L. Schleich

Atmen

Von Duncan Macmillan

Premiere am 23. Oktober 2020

 

„Ich könnte sieben Jahre lang jeden Tag nach New York und zurück fliegen, und mein CO2-Fußabdruck wäre immer noch nicht so groß, wie wenn ich ein Kind kriege.“

Alles beginnt bei IKEA: In der Schlange wartend überfällt es ein modernes, umweltbewusst-reflektiertes Paar um die 30 plötzlich aus heiterem Himmel. CO2-Ausstoß, Klimawandel, Umweltkatastrophen, Überbevölkerung, Welthunger – sollte man angesichts dieser globalen Großprobleme tatsächlich ein Kind in die Welt setzen? Oder nicht lieber weiterhin Fairtrade-Kaffee kaufen, gute Bücher lesen, Filme im Original schauen, ein paar Bäume pflanzen und seinen ökologischen Fußabdruck so klein wie möglich halten? Und wie verändert ein Kind das eigene Leben, welche Einschränkungen bedeutet es, im Beruf wie in der Freizeit? Oder gilt das genaue Gegenteil? Was, wenn genau dieses Kind später einmal die Lösung für die dringlichsten Probleme der Menschheit fände? Diese Grundsatzfrage reißt beide Figuren schnell in einen anhaltenden Strudel aus Distanz und Nähe – es beginnt eine emotionale Achterbahnfahrt, die ihren Lebensentwurf auf den Kopf stellt und in einem zeitlich raffiniert verschachtelten Dialog von der Wiege bis zum Grab leichthändig die großen Daseinsfragen verhandelt.

In rasantem Tempo gleitet „Atmen“ in einem Dialog-Pingpong wie ein filmisches Close-Up voller Humor und warmherziger Ironie durch ein ganzes Menschendasein und reiht in schnellen, cineastischen Schnitten alle wichtigen Stationen und Fragen des Lebens naht- und übergangslos aneinander.

Der Brite Duncan Macmillan, geboren 1980, ist Autor und Regisseur. Für Atmen gewann er 2013 bei den Off West End Awards den Preis für das beste neue Stück. Sein Stück „All das Schöne“ wurde Anfang 2020 erfolgreich im Zimmertheater gezeigt.

„Grandios zeichnet Macmillan nach, wie aus Gewissheiten Zweifel werden, enthüllt Betrug und Selbsttäuschungen mit einem kenntnisreichen und oftmals beunruhigenden Blick auf heutige Paarbeziehungen.“ (The Times)

Regie: Peter Staatsmann

Es spielen: Nora Kühnlein und Stephan Müller

Gesang: Renate Braun

Das kunstseidene Mädchen

von Irmgard Keun

Premiere: 26.06.2020

 

Babylon Berlin: Die 18-jährige Stenotypistin Doris verlässt in den 30er Jahren die rheinische Provinz, um im pulsierenden Leben der Großstadt Berlin ein „Glanz“ zu werden. Ihre Mutter ist Garderobiere im Theater, ihr Vater arbeitslos. Hubert, ihre erste große Liebe, heiratet, kaum dass er sein Studium beendet hat, eine Frau seines Standes. Für ihren Traum von Liebe, Luxus und Karriere ist Berlin mit ihren unerschöpflichen Angeboten an Kinos, Theatern, Tanzpalästen und Flanierstraßen das einzig in Frage kommende Ziel. Aber die Folgen der Weltwirtschaftskrise prägen das Leben in der Großstadt und zeigen sich im Kontrast zwischen einer glitzernd-bunten Scheinwelt der Film- und Schlagerstars und dem glanzlosen Alltag mit Massenarbeitslosigkeit. Doris lässt sich mit verschiedenen Männern ein, immer in der Hoffnung aufzusteigen und immer nah am Abgrund. Freundschaft und Liebe begegnen ihr jedoch da, wo sie es am wenigsten vermutet. Mit Songs der Zeit.  Irmgard Keun liefert mit ihrem Roman aus dem Jahr 1932 ein lebendiges Abbild jener Zeit. Ein Jahr nach Erscheinen setzten die Nazis es auf die „Liste des schädlichen und unerwünschten Schrifttums“ und verboten die weitere Verbreitung. Erst Mitte der 1970er Jahre wurde er wiederentdeckt und ist bis heute in sechzehn Sprachen übersetzt.

Regie: Peter Staatsmann

Es spielt: Nora Kühnlein

Livemusik: Dorin Grama und Nicholas Charkviani

Nathan der Weise

Von Gotthold Ephraim Lessing

Premiere am 18. Oktober 2019

Unsere Gegenwart ist zu einer Karikatur geworden und besteht in weiten Teilen aus postmodernen Stammesritualen. Wie schon in Teil 1 und 2 unserer Deutschland-Trilogie wenden wir uns dem zu, was Aufklärung und Demokratie bedroht: Die Rückkehr zu einfachen Ideologien, Glaubenssätzen und religiösen Strukturen wie sie auch unser heutiges Wirtschaftssystem kennzeichnen. Tatsächlich trägt der Glaube an einen absolut freien Markt und an die Macht des Geldes immer mehr Züge einer kultischen Religion. Wo bleiben dabei Aufklärung, Toleranz und Bildungsfortschritt? Plötzlich steht der Prototyp unserer europäischen Aufklärung Nathan der Weise inmitten eines kunterbunten Jahrmarktsgeschehens, als wäre er der lächerliche Held eines trivialen Musicals. Es scheint als können wir dem nur noch beikommen, indem wir den Ernst des klassischen Diskursdramas mit der emotionalen Energie der Operette vermischen. Das Kritisieren in der Tradition von Lessing macht die Welt nicht besser, aber wenigstens fröhlicher. Nathan in die Operette versetzt, bedeutet die Operette wild, heiß und kontrovers zu machen und jenseits eskapistischer Beschränktheit neue Stoßwellen von Denken und Gefühl auszulösen.

Regie: Peter Staatsmann
Dramaturgie & Kostüme: Bettina Schültke
Mit: Lukas Kientzler, Nora Kühnlein, Meinolf Steiner
Musik: Dorin Grama

„5 Frauen im Netz“

von Peter Staatsmann

Fünf Frauen und jetzt noch die Corona-Pandemie mit all ihren Problemen und Schwierigkeiten: Marie hat zwei Töchter großgezogen, immer den Mund aufgemacht, sich nichts gefallen lassen, jetzt wird sie langsam vergesslich. Ihre Töchter schaffen es nicht, sich so um sie zu kümmern wie es nötig wäre. Sie kämpfen um ihr eigenes finanzielles Überleben und hoffen mit dem Engagement einer albanischen Pflegekraft die Misere zu meistern. Allerdings lehnt Marie diese ab. Es folgt Plan 2: Könnten die neuen digitalen Hilfsmittel nicht auch in diesem Fall helfen? Kann die Mutter ans Netz angeschlossen werden? Zudem drängt sich eine neugierige Nachbarin in die Kleinfamilie, die zum ersten Mal in ihrem Leben merkt, dass Sich-um-Andere-Kümmern auch befriedigend sein kann. Die zunehmende Verbreitung von Verschwörungstheorien, die eigene Orientierungslosigkeit, die Ersetzung von Bildung durch das Internet und die Probleme sich zu emanzipieren sind Themen, die angesprochen werden.

Regie: Peter Staatsmann

Es spielen: Nora Kühnlein, Valentina Sadiku, Maika Troscheit, Petra Weimer, Britta Werksnis

Livemusik: Dorin Grama

Malala

nach dem Buch von Malala Yousafzai

Malala geht gerne zur Schule, sie liebt es zu lernen und schreibt für die BBC einen Blog seitdem sie 11 Jahre alt ist. Darüber, wie das Leben sich geändert hat, seit die Taliban das Swat-Tal in ihrem Heimatland Pakistan besetzt haben. Sie stellen den Schulbesuch von Mädchen unter Strafe und verbieten auch traditionelle Musik und Tanz, die ihnen als Gotteslästerung gelten. Malala begehrt gegen diese Entwicklung auf und lässt sich nicht einschüchtern. Bis zu dem Tag, der ihr Leben verändert. Am 9. Oktober 2012 wird Malala auf ihrem Schulweg von Taliban-Kämpfern niedergeschossen. Sie überlebt schwer verletzt, aber der Anschlag ändert nichts an ihrer Überzeugung. Mit ihrem Engagement für die Rechte von Kindern, besonders von Mädchen, wird sie zur Symbolfigur. 2014 erhält sie den Friedensnobelpreis, als jüngste Preisträgerin aller Zeiten: „Ich erhebe meine Stimme – nicht um zu schreien, sondern um für die zu sprechen, die keine Stimme haben.“ (Malala Yousafzai)

Regie: Peter Staatsmann

Es spielt: Valentina Sadiku.

Livemusik: Dorin Grama und Nicholas Charkviani

Die bessere Hälfte… der Familie

Die Unmöglichkeit eine (moderne) Frau zu sein (UA)

Von Peter Staatsmann

Premiere am 06. März 2020

Fünf Frauen, fünf Biographien, mehrere Generationen. Im Dickicht der Widersprüche einer modernen Welt, die Leistung und Wachstum über alles stellt, verirren sich fünf Frauen, die um ihr Überleben kämpfen. Was sich zuerst als Freiheit und als Zuwachs an Machtbeteiligung öffnet, erweist sich immer öfter als ein neues – altes – Gefängnis von Leistung und Zwang. Marie hat zwei Töchter großgezogen, immer den Mund aufgemacht, sich nichts gefallen lassen, jetzt driftet sie in die Demenz ab.

Was ist mit ihren Töchtern, die um ihr eigenes finanzielles Überleben kämpfen, sei es in einem aufstrebendem Startup oder in prekären Verhältnissen? Sie hoffen mit dem Engagement, einer albanischen Pflegekraft die Misere zu meistern. Allerdings lehnt Marie diese ab. Es folgt Plan 2: Könnten die neuen digitalen Hilfsmittel nicht auch in diesem Fall helfen? Kann die Mutter ans Netz angeschlossen werden? Zudem drängt sich eine neugierige Nachbarin in die Kleinfamilie. Sich-um-Andere-Kümmern kann auch befriedigend sein, erkennt sie. 

Fünf Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs – im Zeitalter einer Modernisierung, die Zeit und Raum digital aufgehoben haben, gleichzeitig uns aber auch aller Empathie beraubt. Frauen werden vor die Entscheidung gestellt: Mitspielen bei diesem Spiel um Geld und Erfolg oder Unsichtbarkeit und soziale Bedeutungslosigkeit. Aber wie viel ist eine Moderne wert, die mich zwingt, mein Geschlecht zu verleugnen, mich hindert, meine Wünsche zu lesen?

Das Stück, die Inszenierung spürt diesen Strukturen nach, legt Paradoxien und Widersprüche frei. Oft tun sich unerwartete Zwänge genau dort auf, wo wir Befreiungen sehen oder erhofft haben. Unsere Befreiungsbewegungen im Sozialen zurren die Abhängigkeiten in tieferen Schichten, in unserer Psyche, fester. 

Peter Staatsmann stößt im 3. Teil seiner Deutschland-Trilogie nach „Wenn der Kahn nach links kippt, setze ich mich nach rechts“ und „Raub der Europa“ tiefer in die Mikrostruktur unserer Gesellschaft vor und bringt das Unbewusste zum „Sprechen“. Immer wieder haben Traumata die deutsche Gesellschaft geprägt, Traumata, die oft nicht aufgearbeitet werden konnten und so weitervererbt wurden. Die Menschen ergreifen dann allzu gern die Angebote, die von neuen Systemzwängen ausgehen und die Konvention setzt sich durch. Welche Chancen haben wir, unseren Traumata zu entkommen bzw. sie zu bearbeiten? Die Balancierung veränderter Geschlechterrollen wird uns noch lange und intensiv beschäftigen, hängt doch nicht zuletzt die gesamte Reformfähigkeit unserer Gesellschaft daran.

Regie: Peter Staatsmann
Mit: Nora Kühnlein, Valentina Sadiku, Maika Troscheit, Petra Weimer, Britta Werksnis
Musik: Dorin Grama
Dramaturgie & Kostüme: Bettina Schültke

Gefördert durch:

 All das Schöne

Von Duncan Macmillan

Premiere am 10. Januar 2020

Duncan Macmillan hat einen lebensbejahenden Monolog über ein todernstes Thema geschrieben, hinreißend, herzergreifend und gänzlich unsentimental. All das Schöne ist sogar ein umwerfend komisches Stück über Depression – und womöglich eines der komischsten Stücke überhaupt. Unter Einbindung des Publikums, das kleinere Rollen übernehmen muss, «verwandelt Macmillan mit leichter Hand angebliche Schreckgespenster in Glücksfälle und findet das perfekte Gleichgewicht zwischen dem, was einen am Leben verzweifeln lässt, und dem, was es so wunderbar macht.

Regie: Peter Raffalt
Mit: Stefanie Smailes

 Judas

Von Lot Vekemans

Es gibt in jedem Zeitalter Spekulationen über Judas und seine Motive. Nach zweitausend Jahren ist es an der Zeit, dass Judas selber spricht: In einer  inszenierten Show begeht er einen letzten Versuch, seine Tat wieder auf ein menschliches Maß zurück zu bringen und sein Publikum dahin zu führen, wo es lieber nicht sein möchte: zu dem Judas in sich selbst. Der Name steht für Verrat.  Es geht um einen  Mann, der jahrhundertelang von jedem geschmäht wurde. Doch wäre ohne diesen Menschen und ohne seinen Judaskuss das Christentum nie zu einer der großen Weltreligionen geworden.

Mit: Hartmut Lange

Emil und die Detektive 

Von Erich Kästner

Premiere am 01. Dezember 2019

Was braucht eine gute Detektivgeschichte? Natürlich einen jugendlichen Helden und einen gefährlichen Verbrecher. In Erich Kästners Kinderbuchklassiker von 1929 stellen sich unter der „Parole Emil!“ der zwölfjährige Emil Tischbein, seine Kusine Pony Hütchen, Gustav mit der Hupe und andere mutige Berliner Gören in einem spannenden Großstadtabenteuer dem Kampf um die Gerechtigkeit. Ihr Ziel ist, den unheimlichen Herrn Grundeis des Diebstahls zu überführen. Denn dieser hat Emil, der alleine mit dem Zug in die Großstadt Berlin gereist ist, sein ganzes Geld gestohlen. 140 Mark hat ihm seine Mutter zur Unterstützung für die Großmutter mitgegeben. Die Kinder organisieren sich, verteilen die Aufgaben, so dass die spannende  Verfolgungsjagd durch Berlin beginnen kann. Aber Vorsicht! Der Widersacher ist ein ausgewachsener Ganove. Doch gemeinsam können die Kindern Berge versetzen!

Die Inszenierung ist auch buch bar für Kindergärten und Schulen, immer von Montag bis Freitag, vom 02.12. bis zum 20.12.2019 jeweils um 9 Uhr und um 11 Uhr.

Regie: Peter Staatsmann
Dramaturgie & Kostüme: Bettina Schültke
Mit: Francesca Menges, Frank Desesz, Lukas Kientzler, Nora Kühnlein,
N.N. und Dorin Grama.

Raub der Europa

Premiere am 22. März 2019

Europa ist das Thema der Stunde: Wir sind alle ein bisschen benebelt. Verwöhnt von den selbstverständlich gewordenen Errungenschaften einer rechtsstaatlichen Demokratie beginnen wir einfachen Erklärungen und Fake-News aufzusitzen. Doch es regt sich erster Protest: Von Frankreich bis Ungarn wollen die Bürger sich nicht länger zugunsten einer einseitigen und oft ungerechten Globalisierung abfinden mit einer sich immer wiederholenden Spaltung zwischen Gewinnern und Verlierern.

Das Zimmertheater bezieht sich in seiner Stückentwicklung von Peter Staatsmann auf den Mythos, wo der Gott Zeus in Gestalt eines Stiers die Königstochter Europa raubt, bindet dies aber in eine sehr heutige Geschichte ein. Die Jungen Ludwig und Anna treffen in einer dramatischen Nacht auf das Paar Marie und Richard, die als typische „Nach-Achtundsechziger“ zwischen der tiefen Unzufriedenheit mit einer offensichtlich ‚schlechten Welt‘ und dem guten Leben in einem europäischen Wohlstandsland hin und her schwanken.

Doch von was ist die Rede, wenn von Freiheit die Rede ist? Muss ich für meine Freiheit womöglich Verantwortung übernehmen und aktiv mitdenken und mitgestalten, wie es die junge Anna für natürlich hält in einer modernen Demokratie? Oder ist die Lage zu weit ins Wahnhafte fortgeschritten, so dass wir, wie Marie nur noch Zyniker werden können? Die Gräben ziehen sich plötzlich nicht mehr nur entlang der Grenze zwischen den Generationen, sondern auch zwischen den Geschlechtern, den sozialen Zugehörigkeiten und Identitäten. Sogar die emotionalen Bindungen werden in dieser Nacht der Verführungen, in der Europa – und damit die Ideale der französischen Revolution Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit – auf dem Spiel stehen, auf eine schwere Probe gestellt. Wir erleben leidenschaftliche Kämpfe mit komödiantischen Momenten, gespielt von vier tollen Schauspielern. Nach Teil 1 Wenn der Kahn nach links kippt, setzte ich mich nach rechts geht es jetzt um ein großes uns alle umtreibendes Thema.

Text & Regie:
Peter Staatsmann
Dramaturgie & Kostüme:
Bettina Schültke
Mit: David Gundlach, Peter Raffalt, Petra Weimer und Margarita Wiesner

Schuss nach hinten

Backfire Blues For Max

Premiere am 04. Juli 2019

Max Duttenhofer gelang 1884 mit seiner Erfindung des rauchlosen Pulvers eine sensationelle Entwicklung auf dem Gebiet der Waffentechnik. Diese Erfindung aus dem Neckartal in Rottweil wurde ein internationaler Verkaufserfolg und machte Weltgeschichte. Eine historische Revue über ihn, seine Erfindung und seine Zeit spannt mit starken Theatersequenzen, Liedern und Choreographien den Bogen von der Lokalgeschichte Rottweils und der süddeutschen Region über die Automobilproduktion in Stuttgart und die nationale Politik bis hin zu globalen Entwicklungen. Duttenhofer war einer der drei Hauptaktionäre und Aufsichtsratsvorsitzender der Daimler-Motoren-Gesellschaft und besaß Fabriken in ganz Deutschland. Zeitgeschichte und Industriegeschichte werden lebendig in der Darstellung der Verhältnisse der Arbeiter im Umfeld der Pulverfabrik, des aristokratischen Lebensstils Max von Duttenhofers, auch der „Krupp von Süddeutschland“ genannt, und der Wirrungen deutscher Geschichte in der Mitte des 20. Jahrhunderts mit zwei Weltkriegen und ihren Auswirkungen. Zentrale Fragen interessieren uns von heute aus in einem vergnüglichen Durchgang durch eineinhalb Jahrhunderte Industrie- und Kulturgeschichte. In welche Konflikte bringen uns Technologie, Rüstungsindustrie und ein allzu euphorischer Fortschrittsglaube? Wieviel Bildung, Kultur und Kritik können wir ausblenden, ohne dass uns individuelle und gesellschaftliche Regressionen und Rückentwicklungen einholen? Wie können wir uns neu aufstellen in einem erneuerten Europa, das sich seiner Wurzeln eingedenk auf seine Werte und Orientierungen besinnt und sie auf historischer Folie deutlich herausarbeitet und tradierbar macht? Wir zoomen Elemente unserer Geschichte heran, aus denen heraus wir uns selbst besser sehen und verstehen können, setzen sie aber auch radikal in Verbindung mit unserer unmittelbaren Gegenwart. In vielen Situationen sehen wir Wiederholungen und Kopien, die uns wie Geister umschweben und uns bewegungslos machen, weil wir uns nicht mehr in die Lage bringen, Vergangenes so deutlich zu beleuchten, dass uns klar wird, wo der mögliche und wünschbare Weg in eine freiere und ethisch balanciertere Zukunft liegt.

Text & Regie:
Peter Staatsmann
Dramaturgie & Kostüme:
Bettina Schültke

Germania. Schlaf. Traum. Schrei

Premiere am 19. Oktober 2018

Auch mehr als 20 Jahre nach seinem Tod polarisiert Heiner Müller. Seine Figuren aus der Antike, der Französischen Revolution, Preußen, der Frühzeit des Kommunismus, dem 1. und 2. Weltkrieg, der DDR und der Zeit nach 1989 zeigen Abstürze und Abgründe. Sie kämpfen sich ab an individuellen und kollektiven Traumatisierungen, immer unter der Prämisse: Wie können wir Subjekte unserer Geschichte und unseres Lebens werden? Wie können wir von Deutschland, von Europa aus die Zukunft denken? Sein Blick auf Geschichte und Gesellschaft hat nichts zu tun mit morbiden, reaktionären Kriegs- und Gewaltphantasien. Vielmehr geht ihm um die geschärfte Wahrnehmung der sozialen Macht- und Kräfteverhältnisse. Er stellt menschliche Körper und ihre Konflikte mit Ideen auf die Bühne, denn solange es Ideen gibt, gibt es Wunden und Ideen bringen den Körpern Wunden bei. Der Regisseur Peter Staatsmann zeigt in seiner Inszenierung von Müller-Texten eine neue Lesart, die sich auf den frühen Heiner Müller und seine Beschäftigung mit Sigmund Freund und der Psychoanalyse bezieht. Für Staatsmann hat Müller Ideologiekritik immer zur Psychoanalyse hin überschritten und mit seiner Ästhetik des Unbewussten eine universale gattungsgeschichtliche Literatur geschaffen. Müller ging es um die Partizipation des Zuschauers bei kreativen Prozessen. Das bedeutet nicht nur eine rationale Entschlüsselung von Thesen und Themen, sondern eine tiefer gehende Auseinan­dersetzung mit dem eigenen Leben, den Verdrängungen und Traumata. Wenn wir die Texte Heiner Müllers neu lesen, entdecken wir prophetische Analysen, die unsere gegenwärtige Situation zur Sprache bringen.
Heiner Müller (1929 – 1995) ist einer der bedeutendsten deutschsprachigen Dramatiker und Schriftsteller nach 1945. Bekannt sind seine Theaterstücke wie z. B. „Der Lohndrücker”, „Quartett”, „Germania Tod in Berlin”, „Der Auftrag”, „die Hamletmaschine”, sowie seine zahlreichen Interviews und Gespräche, u. a. mit Alexander Kluge.

Text & Regie:
Peter Staatsmann
Dramaturgie & Kostüme:
Bettina Schültke
Mit: Marlies Besthorn, Steffen Happel,Mariam Jincharadze und Andreas Ricci

Heidi trifft Odysseus im Zug von Frankfurt nach Scesaplana

Premiere am 25. November 2018

Das Mädchen Heidi aus den Schweizer Bergen ist gegen ihren Willen in die Großstadt Frankfurt verschickt worden. Endlich darf sie wieder in ihren Heimatort zurück und trifft auf der Zugfahrt den griechischen Jungen Odysseus, der auch alleine unterwegs ist. Die beiden sind voller Lust auf Entdeckungen und sie stürzen sich mutig in die unterschiedlichsten Situationen. Unerwartet tauchen fremde Menschen und eigenartige Wesen auf. Sind es anfangs noch Menschen aller Herren Länder Europas, mischen sich allmählich überraschende Figuren aus fernen Regionen unter die Bahnfahrer. Was ist das für ein Zug, in den wir eingestiegen sind und wohin fährt er denn überhaupt? Doch es scheint keinen Grund zur Beunruhigung zu geben, sind die fantastischen Lebewesen doch allesamt wunderbare Musiker und Sänger, die ihre fremden und erstaunlichen Sitten und Erzählungen mit ihren Gesängen und Tänzen zu einem lebendigen Feuerwerk der unterschiedlichsten Kulturen werden lassen. Die jungen Reisenden werden zu eifrigen Schülern der Fremden und als sie denen ihre eigenen Lieder und Tänze zeigen, kommt es zu einem überrasch­enden Workshop der Kulturen: Opernarien treffen auf Jazzstandards, das deutsche Volkslied aus dem Schwarzwald auf Schweizer Jodelgesänge und irische Folksongs. Es ist eine (welt-)musikalische Reise zu den mythischen Geschichten, in denen sich die europäischen Ursprünge und Werte spiegeln.
Erst wenn Ängste und Aggressionen bearbeitbar werden, entsteht die Grundlage für eine umfassende Integration aller menschlichen Vermögen, nämlich Einsichten zu gewinnen, Zusammenhänge zu erkennen, sich ein Urteil zu bilden und sich in seinem Handeln danach zu richten. Und erst dann kann es auch zu kulturellen Transformationen kommen, die eine Gesellschaft von Toleranz und Empathie möglich machen.

Text & Regie:
Peter Staatsmann
Dramaturgie & Kostüme:
Bettina Schültke
Mit: Marlies Besthorn, Mariam Jincharadze und Daniela Michel und Andreas Ricci

Robinson im Cyberspace

Premiere im Januar 2019

Die Jugendlichen heute sind die erste Generation, die mit mobilem Internet und in sozialen Netzwerken aufwächst. Wenn sie von Facebook genervt sind, ziehen sie weiter in die nächste Community und errichten neue digitale Trutzburgen auf Feldern wie Tumblr, Instagram oder Snapchat. Was aber ändert sich im Zeitalter von Smartphone und Internet? Ist ein Nackt-Selfie als Liebesbotschaft eine gute Idee? Taugt ein Porno aus dem Netz als Ratgeber für das erste Mal?
Erst ist es ein Satz, plötzlich reden alle über dich. Du willst dem Ganzen ein Ende setzen, Aber du kannst nichts löschen. Das Internet vergisst nichts. Und die ständige Erreichbarkeit? Wie damit umgehen, auch online soziales Reputationsmanagement zu leisten und in der Freizeit das eigene Profil pflegen zu müssen? Die Probleme in der Pubertät sind im Prinzip die gleichen wie früher. Facebook ist wie Familie. Du kommst abends nach Hause, die Bude ist voll. Du erzählst wie dein Tag war, keiner hört zu. Die Trennung zwischen Offline- und Online-Welt schwindet. Soziale Netzwerke und Co. gehören zum Lebensalltag. Für viele wird das Online-Verhalten aber zur Prüfung in Sachen Selbstbeherrschung. Handyentzug ist fast das Schlimmste, selbst wenn es nur für einen Tag ist. Ein Tag aus dem alltäglichen Chaos zwischen Schule, Familie, Handy und Second Life.
Heiß diskutiert wird von den Erwachsenen, ob es einen Zusammenhang gibt zwischen einem unkontrollierten Medienkonsum und Entwicklungsstörungen, bzw. ob soziale Netzwerke für Jugendliche öfter positive als negative Effekte haben. Wichtiger als Verbote ist es jedoch, Kindern den richtigen Umgang mit den Geräten beizubringen. Das Klassen­zimmer­stück kommt zu Ihnen in die Schule, dauert genau eine Schulstunde und es sollte eine zweite Stunde für ein Nachgespräch anberaumt werden.

Text & Regie:
Peter Staatsmann