Im Café: Blind Date

Das Theatercafé des Zimmertheaters ist ein besonderer Ort für besondere Projekte, ein Raum für Experimente und freies Spiel, zum Ausprobieren und Vorstellen und für Gespräche und Diskussionen. Ungewöhnliche szenische Lesungen, Performances, musikalische Programme und Diskussionen zu brennenden Themen mit wechselnden Gästen. Konzerte, Partys und natürlich die Premierenfeiern ergänzen das Programm.

Wir laden Sie herzlich ein zu Begegnungen der ungewöhnlichen Art, zum Austausch untereinander!

Rahmenprogramm zu Germania. Schlaf Traum Schrei Eine Heiner Müller-Collage

Buchvorstellung Theater des Unbewussten: Der selbstanalytische Prozess im Schreiben Heiner Müllers von Peter Staatsmann –

Peter Staatsmann im Gespräch mit Gerd Koch

 

Peter Staatsmann weist in seiner Untersuchung nach,  dass Heiner Müller den Traum, das individuelle wie gesellschaftliche Unbewusste und die eigene psychische Welt und Triebökonomie zur Grundlage des eigenen Schreibens gemacht hat. Erst die dezidierte Wahrnehmung und Würdigung dieser spezifischen Ästhetik des Unbewussten erweist Müllers Theatertexte als bedeutsam im Sinne einer universalen und gattungsgeschichtlich reflektierenden Literatur. Alle Stücke Müllers sind – inspiriert durch die Psychoanalyse – geprägt von einer Schreibhaltung und einer Wirkungsästhetik, die auf mehr zielt als auf ›nur‹ rationale Auseinandersetzung. Sowohl als Produzent, als Dichter, als auch in seiner Rezeptionsästhetik des Theaters geht es Müller um die Öffnung der unbewussten und der verdrängten und verleugneten Anteile im sogenannten ›Ich‹ und in den Bewusstseins- und Mentalitätsbeständen der Gesellschaft. Die Darstellung dieses selbstanalytischen Prozesses – bis in die Mikrostruktur der Texte hinein – lässt in Staatsmanns Analyse den Umriss eines Theaters des Unbewussten in Aktion entstehen, und der Nachvollzug von Müllers selbstanalytischem Prozess ergibt eine veränderte Sicht auf die innere, subjektive Seite seiner Stücke.
Ideologiekritik überschreitet Müller immer zur Psychoanalyse. Dabei geht es jedoch nicht um eine Psychoanalyse ›von außen‹, bei der psychoanalytische Kategorien an ein Werk der Literatur, das gleichsam von sich selbst abgewendet wäre, angelegt werden, sondern um die aufmerksame und notwendig unvollständige Rekonstruktion eines lebenslangen selbstanalytisch ausgerichteten Schreibens, das ein Bewusstsein seiner selbst hat und immer auch die Grundlagen der menschlichen Gattung bearbeitet.

 

 

Lesung aus Interviews mit Heiner Müller

Angst wird abgearbeitet, indem man sie träumt. Das Problem des Schriftstellers, überhaupt des Künstlers, ist doch, dass er sein ganzes werktätiges Leben versucht, auf das poetische Niveau seiner Träume zu kommen. Das geht nur, wenn er nicht interpretiert, was er hervorbringt. Ich schreibe mehr, als ich weiß.

Müllers Gespräche sind literarisch im archaischen Sinn, wie jede Literatur ihren Ursprung im Mündlichen hat. Ein Glanzstück bilden die transkribierten Fernsehinterviews, die Alexander Kluge mit Heiner Müller geführt hat: Es sind gleichberechtigte, assoziationssatte Gespräche über das 20. Jahrhundert, über Literaturgeschichte oder eigene Erfahrungen, z.B. von Krankheit. Für Heiner Müller geht es um die Formulierbarkeit von Erfahrungen, um den Zusammenhang zwischen Sprache und Realität. Krisenzeiten spielen eine Rolle: Wie artikulieren sich Menschen, die nicht in Einklang leben mit ihrer Wirklichkeit? Welche sprachlichen Mittel gebrauchen sind? Je größer die Not ist, desto kürzer werden die Sätze. Lakonie ist eine Reaktion auf den Druck der Realität. Das Leid kann zum Verstummen der Subjekte führen – oder zur Verwandlung. Bei Kluge findet sich eine Herangehensweise im Sinne von Heinrich von Kleists Vorstellung von der allmählichen Verfertigung der Gedanken beim Reden. Während man im Fernsehen den Leuten meist nicht beim Denken zusehen kann, erlebt man in Kluges Interviews häufig Menschen, die eine Idee oder Vorstellung während des Gesprächs entwickeln. Der kreative Prozess wird transparent. Es sind Ideenmagazine.

Was Kluge und Müller verbindet, ist die Methode Walter Benjamins: Dialektische Bilder stehen im Zentrum. Es geht um den Zusammenhang zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Die Auswahl der historischen Ereignisse ist wie der Stich der Akupunkturnadel.

 

Schule des Sehens – Theater verstehen/Nachgespräche

Stückeinführungen und Publikumsgespräche zu unseren Inszenierungen sind ein fester Bestandteil unseres Programms. Peter Staatsmann bietet zu seinen Inszenierungen spezielle Einführungen und Nachgespräche an. Voraussetzung ist der Besuch der jeweiligen Inszenierung. Die aktuellen Termine werden angekündigt unter www.zimmertheater-rottweil.de

 

Literatur

Verabschiedung der Stadtschreiberin

 

Rottweiler Quartett

Auch wenn es den Buchladen Irmgard Kolb leider nicht mehr gibt, freuen wir uns in Zusammenarbeit mit der Buchkennerin und Leserin Irmgard Kolb Sie auch weiterhin mindestens zwei Mal im Jahr zu einem literarischen Quartett ins Theater einladen zu können: Vier engagierte und kenntnisreiche LiteraturliebhaberInnen stellen je ein Buch vor, diskutieren, loben und streiten anschließend über die Werke. Auch die Meinung des Publikums ist gefragt. Bisher diskutierten auf dem Podium Lucy Lachenmayer, Elisabeth Gutjahr, Georg Fröhlich, Jan Schubert, Esther Kuhn-Luz, Bodo Schnekenburger, Rolf Klaiber und Christoph Kirschler moderiert von Irmgard Kolb und Bettina Schültke.

Der erste Termin ist am Mittwoch, den  28. November 2018 um 20 Uhr im Theatercafé.

 

 

Am 6.Oktober 2018 um 20 Uhr

Das Kassandra-Phänomen

Literarische Performance

 

Kassandra ist eine Gestalt aus der griechischen Mythologie, die vorhersieht was kommen wird, der aber niemand glaubt. Würde sie heute leben, würde sie uns nicht vor dem Einzug des trojanischen Pferdes warnen, sondern vor der Verstopfung der Meere durch Plastikmüll, nicht vor einfallenden Kriegern, sondern vor ausfallendem Regen, nicht vor griechischen Schwertern, sondern vor globalen Wirtschaftsabkommen.

Dem Kassandra-Phänomen auf der Spur holen wir uns Unterstützung aus der Literatur u.a. von den Schriftstellerinnen Arundhati Roy, Nina Jäckle, Christa Wolf, Rosa Luxemburg, Elfriede Jelinek, Marie Luise Kaschnitz und den Autoren der Anthologie „Wetterstationen: Klimawandel schreiben“.

Mit: Irina Blaul, Isabel Pickl Bermejo, Lea-Lina Oppermann, Isabel Schmier, Janka Watermann, Petra Weimer und Sabine Wandelt-Voigt

 

Gefördert vom Literatursommers BW 2018 in Zusammenarbeit mit der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart

 

Am 5.12.2018 um 20 Uhr im Zimmertheater Gastspiel

 

Eileen Atkins

VITA & VIRGINIA

Nach Briefen und Tagebüchern von Virginia Woolf und Vita Sackville-West

Deutsch von Friederike Roth

Zwei Schriftstellerinnen. Zwei Leben. Eine Freundschaft. Eine Liebe.

Virginia Woolf und Vita Sackville-West. Ein berühmtes Liebespaar, das hier auf der Bühne sein Leben und seine Entwicklung teilt. Über mehrere Jahrzehnte folgen diese Briefwechsel und Tagebuchaufzeichnungen den beiden Frauen, die vieles verbindet und doch so vieles trennt. Mehr als 500 Briefe schrieben sich die beiden Frauen, in denen sie keinen Aspekt ihres Lebens ausließen.

Regie: Thomas Perle

Schauspiel: Denise Teipel, Cristina Maria Ablinger

Verlag: Jussenhoven & Fischer, Theater und Medien

Foto: Daniel Wolf

 

„Puro Tango“ mit Clementina Culzoni

Im Januar 2019

Die argentinische Tango-Sängerin Clementina Culzoni führt ihre erfolgreichen Tango Milongas im Zimmertheater fort. Dem Theaterpublikum ist sie durch ihre Rollen in den Sommerproduktionen „Der Glöckner von Notre Dame“ und „Der Kaufmann von Venedig“ bekannt. Der argentinische Tango hat in seiner hundertjährigen Geschichte, viele Veränderungen erlebt und Clementina Culzoni verbindet dank ihrer wandlungsfähigen Stimme stilistisch die Zeit der hohen lyrischen Stimmen der ersten Tango Sängerinnen von 1930 mit der warmen Tiefe der 60er Jahre im romantischen Tango. Mit Ihrem traditionellen Tango-Ensemble: „Puro Tango“ vermittelt sie in ihrer Show mit Musik und Tanz die vielfältigen Musikströme des Landes. Im Anschluss Milonga.

 

Jazz in town

Wie jedes Jahr spielt im Zimmertheater am 30. April 2019 anlässlich von „Jazz in town“ die  Band not’jacob.